Der Rekordmonat an den Börsen – und wie es weiter geht

Anfang März bis Anfang April 2020 wird der Börsen-Welt als ein Monat der Extreme in Erinnerung bleiben:  40 Prozent Verlust innerhalb von vier Wochen an den Börsen, gefolgt von historischen Kursgewinnen wie beispielsweise mehr als 11% Prozent im US Leitindex Dow Jones am 24. März – dies entspricht dem höchsten Tagesgewinn des Dow Jones seit fast 90 Jahren; und vereinzelte Unternehmen, die um 20% und mehr gestiegen sind. „Es hat 89 Jahre gedauert, bis ich das erlebt habe“, gestand der legendäre Value-Investor Warren Buffet über die Geschwindigkeit der Börsenverluste im letzten Monat, wobei er im selben Interview erklärte, dass er den panikartigen Rutsch an den Aktienmärkten nicht so außergewöhnlich fand. „Märkte, die Sekunde für Sekunde offen sein müssen, reagieren auf Nachrichten auf große Art und Weise.“ Warren Buffet ist dafür bekannt, sein großes Vermögen vor allem dadurch verdient zu haben, zu investieren „wenn die Kanonen donnern“ und in Krisenzeiten Anteile an sehr guten Unternehmen zu günstigen Kurspreisen zu erwerben.

Auswirkungen auf die Realwirtschaft

Solange kein Impf- oder Heilmittel für den Coronavirus vorhanden ist, bemühen sich weltweit Regierungen durch Ausgangsbeschränkungen die Ausbreitung der Pandemie hinauszuschieben bzw. einzudämmen, um das Gesundheitssystem aufrechtzuerhalten. Das hat unmittelbare Auswirkung auf die Wirtschaft, da insbesondere Unternehmen, die direkten und persönlichen Kundenkontakt haben, gar nicht oder nur stark eingeschränkt tätig sein können. Die Konsequenzen zeigen sich teilweise unmittelbar wie am Anstieg der Arbeitslosigkeit in den USA. Während die Amerikaner noch vor kurzem fast eine Vollbeschäftigung geschafft hatten, mit wöchentlich rund 200.000 Erstanmeldungen von Arbeitslosen aber ebenso vielen neuen Jobangeboten, sind durch die Ausgangsbeschränkungen, die mittlerweile 80% der US-Bevölkerung betreffen, die Arbeitslosenerstmeldungen im März auf 10 Millionen gestiegen und es wird bei Aufrechtbleiben der Ausgangsbeschränkungen erwartet, dass diese Zahl auf rund 25 Millionen steigen kann. Erschwerend kommt hinzu, dass rund 40% der Amerikaner im Durchschnitt weniger als 400 Dollar Ersparnisse haben.

Die Welt nach Corona und seine Profiteure

Die aktuellen Konsumstatistiken aus China deuten darauf hin, dass wenn die Ausbreitung des Virus eingedämmt wird, die Nachfrage sprunghaft zurückkehren kann. Dann werden Lieferketten neu verknüpft, und Menschen werden wieder in Geschäften, Restaurants und Hotels konsumieren und arbeiten. Und auf der Angebotsseite werden Unternehmen alles dafür tun, dieser Nachfrage gerecht zu werden. Die Krise hat – wie jede Krise zuvor auch – Gewinner und Verlierer. Unternehmen, die sehr stark betroffen sind, aber auch Unternehmen, die in dieser Zeit oder danach profitieren, wie Technologiefirmen, die die Menschen miteinander digital verbinden, der Handel, der weiterhin geöffnet war, Pharma- und Medizintechnikunternehmen, als auch Unternehmen, die mit ihrer Liquidität in dieser Krisenzeit Mitbewerber oder interessante Sparten kostengünstig übernehmen konnten. Selbst die Ölindustrie, die einem Ölpreisverfall von über 50% ausgesetzt war, rechnet mittelfristig mit 10 – 20 Jahren Ölnachfrage – bis alternative Energien flächendeckende Alternativen sind – und können von den günstigen Ölreserven, die sie in dieser Zeit aufbauen, in Zukunft profitieren.

Investitionen in Sachwerte bedeutender als je zuvor

Auch auf der Ebene des Einzelnen wird es Gewinner und Verlierer geben. Gemäß dem Leitspruch „Sparsamkeit ist ein Schatz“ fahren stets jene besonders gut, die ihre Haushaltskosten so maßvoll halten können, dass Ausgaben und Kredite weiterhin bezahlt werden können und auch Einkommensausfälle überbrückbar sind. Doch Sparen allein ist nicht mehr genug. Die enormen Stimulationspakete und Stützen, Milliarden bis hin zu Billionen Euros, die Regierungen in die Wirtschaft und Gesellschaft pumpen müssen, haben mittelfristige und langfristige Auswirkungen auf die ersparten Geldwerte der Bevölkerung. Mehr denn je gilt es – neben einer gewissen Barreserve zu Hause und am Bankkonto – seine Reserven in Substanzwerte zu halten und damit seine Werte und Zusatzeinnahmen aufzubauen und langfristig zu erhalten; Substanzwerte, die seit jeher Inflationsschutz bieten, wie Immobilien, physisches Gold und Aktieninvestments. Dabei sind Investieren in Qualität und eine breite Streuung entscheidend.

Wann ist der richtige Einstiegszeitpunkt? oder: Keine Angst vorm Double-Dip

Double-Dip oder Zweifacher-Taucher nennt man an den Börsen das Phänomen, wenn auf eine kurzfristige Erholung an den Märkten nach einem Kursabfall, noch ein weiterer, tieferer folgt. Das kommt häufig vor, ist aber auf lange Sicht von geringer Bedeutung.

Bei der nachhaltigen Erholung der Märkte profitiert man enorm vom deutlichen Abschlag, zu dem man gekauft hat, ob vor oder nach einem vermeintlichen Double-Dip, da bereits jetzt viele Kurse historisch niedrig sind. Und Studien, wie die unten angeführte zeigen, dass auf lange Sicht selbst der denkbar schlechteste Einstiegszeitpunkt, um in Top Unternehmen zu investieren, um vieles profitabler ist, als gar nicht investiert zu sein.

Nach 20 Jahren jährlich zum schlechtesten Zeitpunkt in den S&P 500 investiert, hat der Investor trotzdem über 80% Wertsteigerung.

 

(Quelle der Grafik: Riepe, 2013)

 

Es ist die Dauer, nicht der Zeitpunkt

Natürlich hängt das Wahrnehmen von historischen Investitionschancen von den persönlichen Umständen, der Risikotragfähigkeit und dem Anlagehorizont ab. Doch passen diese Kriterien alle und handelt es sich um Qualitätstitel, gelten die Worte des legendären Investors Sir John Templeton: „Die beste Zeit für die Geldanlage ist dann, wenn man Geld hat. Die Geschichte deutet nämlich darauf hin, dass nicht der Zeitpunkt zählt, sondern die Zeit.“

 

Partner Bank Team
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10 April 2020

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